Friedrich Geiger studierte Musik, Musikwissenschaft und Lateinische Philologie in München und Hamburg, 1997 Promotion über Wladimir Vogel (1896-1984), 2003 Habilitation mit einer Studie zur Verfolgung von Komponisten unter Hitler und Stalin. 1997–2002 Leiter des Forschungs- und Informationszentrum für verfemte Musik in Dresden. Ab 2007 war er Professor für Historische Musikwissenschaft an der Universität Hamburg und wechselte 2020 auf den Lehrstuhl an der Hochschule für Musik und Theater München. Arbeitsschwerpunkte sind die vergleichende Forschung zur Musik in Diktaturen und im Exil, Historiographie der populären Musik und das musikalische Urteil.
Robert Blums Filmmusik zu «Die letzte Chance»
Robert Blums Filmmusik zu «Die letzte Chance»
Der kongeniale Soundtrack zu Lindtbergs Flüchlingsdrama
Referat von Prof. Dr. Friedrich Geiger
«Die letzte Chance», gedreht gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde für den österreichisch-schweizerischen Regisseur Leopold Lindtberg zu einem internationalen Erfolg. In dem Flüchtlingsdrama verhandelte Lindtberg, der selbst vor dem NS-Terror geflohen war, brisante Themen wie Verfolgung, Exil, Verantwortung und Menschlichkeit. Von den Behörden zunächst als imageschädigend beargwöhnt und verzögert, wurde der Film nach der Uraufführung am 26. Mai 1945 rasch zu einem Klassiker des Schweizer Kinos. Dazu hat der kongeniale Soundtrack von Robert Blum erheblich beigetragen. Der Vortrag zeigt, wie Blum den neorealistischen Ansatz Lindtbergs einerseits verstärkt und ihn andererseits um eine emotionale Dimension erweitert. Erst dadurch wurde der prekäre Weg möglich, den der Regisseur zwischen «Geistiger Landesverteidigung» und Kritik an der Schweizer Flüchtlingspolitik einschlug.
In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich

Mitwirkende
Ort
Gütschweg 8
6440 Brunnen